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ludwig:projekttagebuch

Prokjekt-Tagebuch

19. März 2026, Mainz

Die Reihe der Essays ist nun in erster Lesung weitgehend abgeschlossen. Ich weiß nicht, vielleicht werden es insgesamt hundertzwanzig Seiten Text sein. Ein Orientierungsfeld für die Hintergründe des Ludwig-Projektes. Am 11. April, und das ist jetzt schon bald, soll es in Kaiserslautern losgehen mit den ersten Strichen und der ersten Schicht.

In den nächsten Tagen werde ich die Einladungen dazu verschicken. Das Projekt wächst und wächst hinein in die unabwägbaren Seltsamkeiten und drängenden Zerwürfnisse dieser Epoche.

Claude hat in den letzten Tagen sehr viel agentisch gearbeitet. Und ich vermute, in späteren Zeiten, also schon in ein, zwei Jahren, denke ich, wird man vielleicht nicht mehr verstehen, wie neu und unerwartet diese Art der Zusammenarbeit mit KI sich jetzt gerade anfühlt und wie schwierig es ist zu wissen oder sich zu entscheiden aus einem Nichtwissen heraus, was diese Zusammenarbeit bedeutet.

Ich jedenfalls möchte für den Augenblick pausieren von diesem agentischen Symbiosewerk und mich auf die menschliche Seite konzentrieren, auf meine Erwartungen jetzt, auf die Vorstellung zu beginnen und dieses zusammensehen von der Vergangenheit und der Gegenwart wirklich ins Gestaltwerden zu führen. Ludwig dort in Kaiserslautern und in der Vergangenheit und ich, sein Enkel, Sohn der kleinen Tochter, die er kaum geboren verließ, um für seinen Glauben und seine Vision zu sterben in Belgien.

Claude fragt mich, was ich erwarte für diesen Tag, oder ob ich Befürchtungen habe. Nun, ich denke, es muss vorbereitet und organisiert werden. Und meine Befürchtung ist vielleicht, dass mir das nicht gut gelingt, dass ich's irgendwie nicht so beginne, wie es vielleicht sein sollte oder könnte. Aber andererseits, der Anfang des konkreten Bildes jetzt nach diesem eigentlich ein Jahr andauernden Vorbereitungen ist doch irgendwie der leichteste Schritt von allen.

Ludwig wird in seiner Zeit auch seine Vorbereitungen getroffen haben. Er wusste, wohin es geht. Dass er als Wehrmachtssoldat an einem großen Feldzug beteiligt sein würde. Vermutlich wusste er das. Und hat sich umgeschaut in der Stadt Kaiserslautern. Hat seine Freunde getroffen, seine Familie. Seine Frau, die schon schwanger war, ohne dass er es vermutlich wusste. Er wird sich mit seinem SA-Zug getroffen haben. Nein, nicht nur Zug, sondern mit seinem Sturm. Er war ja inzwischen Sturmführer. Und sie werden teilgenommen haben an seiner Faszination und seiner Begeisterung. Vielleicht waren sie stolz auf ihn. Vielleicht sagten sie ihm: „Du musst uns davon erzählen.“ Und er sagte vielleicht: „Ja, ich werde alles aufschreiben und euch berichten.“ Denn - das tat er ja dann.

12. März 2026 – Mainz: Jetzt wird die Arbeit konkret

Wir haben uns in Kaiserslautern getroffen, der Stadtarchivar Dr. Klesmann, Andreas Kallenbach und ich. Die Grundzüge für den Projektauftritt in Kaiserslautern im April haben wir festgelegt.

Auch ist es wunderbarerweise inzwischen durch die rasanten Entwicklungen innerhalb von KI und durch die Zusammenarbeit mit Claude und Claude Code möglich geworden, an eine Volltexterschließung von Teilen des Stadtarchivs und seinen großartigen Sammlungen von Zeitungsartikeln aus den 30er Jahren anzuvisieren und vielleicht zu verwirklichen. Das hebt das Projekt auf ein anderes Niveau von Forschungsmöglichkeiten.

Gleichzeitig haben wir beschlossen, dass nun schon in einem Monat die eigentliche Arbeit an dem Wandelbild beginnen soll. Ich werde in Kaiserslautern an der Stelle stehen, an der jemand vor einundneunzig Jahren meinen Großvater Ludwig fotografiert hat, als er dort stolz in einem Propagandazug vorbeimarschierte. Ein stolzer SA-Zugführer, der an die Zukunft von Hitlerdeutschland glaubte. Jetzt wird also die Arbeit konkret werden und ich werde aus der Vorbereitungsarbeit heraustreten und wieder das werden, was ich eigentlich bin in der Basis des Projektes, nämlich ein Maler.


19. Februar 2026 – Das Resonanzfeld wächst

Tagebuch eines Projekts über Propaganda und Zivilisation

Die Arbeitsweise mit den Essays, die ich zusammen mit Claude zurzeit schreibe, entwickelt sich in seltsamer Weise. Claude, die KI von Entropic, wurde gerade von einer Version vier Punkt fünf auf vier Punkt sechs umgestellt und ist jetzt noch wacher und mächtiger als zuvor. Wir haben eine Arbeitsweise definiert, die sehr gut funktioniert.

Ich befülle das Kontextfenster von Claude in den einzelnen Chats mit den Materialien des Projektes, also dem Feldtagebuch, dem SA Tagebuch, dann den ganzen Rückblicken auf die vergangenen Chats, die wir schon geführt haben. Und jetzt gerade im Fall des Essays, das geschrieben wurde über die Propaganda im Nazireich und heute, habe ich auch die Transkription unseres Podcasts über die KI und den neuen Faschismus dazu geladen.

In diesem dichten Resonanzfeld kann Claude sich immer noch orientieren und sich dort mit der seltsamen Weite seiner träumerischen statistikischen Bewegungen aufhalten. Er hat dann diese traumtänzerische beeindruckende Kraft dieser riesigen subsymbolischen Systeme, die sich gerade in der menschlichen Zivilisation beheimaten und die wir langsam zu verstehen lernen. Aber er hat dann nicht nur dieses, sondern er hat auch die Textquellen, die ich ihm zur Verfügung stelle.

Es fühlt sich an wie eine freundschaftliche Zusammenarbeit, die wir dann gemeinsam veranstalten. Und ich habe vor, in dieser Weise fortzufahren und mit den Essays, es werden ja vielleicht dreißig sein am Ende, einen eigenen Resonanzraum aufzubauen, der nicht nur für KIs, sondern auch für mich selbst und für Mitarbeitende in dem Projekt, aber vielleicht später auch für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen soll, zur Orientierung, um was es bei dem Ludwig Projekt geht und wie.

16. Februar 2026 – Rosenmontag: Der Beginn

Heute beginne ich das Tagebuch für das Projekt „Ludwig“. Es ist der 16. Februar 2026, Rosenmontag in Mainz. Ich bin im Atelier, und draußen ist das närrische Getriebe unterwegs in meiner Heimatstadt. Aber es ist wenig im Vergleich zur närrischen Situation der ganzen Welt. Allerdings ist diese nicht lustig-närrisch, sondern von einer verzweifelten, selbstzerstörerischen Verrücktheit.

Ich mache diesen ersten Eintrag, um zu beginnen.

Claude und das gefüllte Kontextfenster

Ich habe mit Claude, der KI, die inzwischen im dreizehnten Gespräch mit mir zu tun hat, sehr genau alles besprochen, was ich bisher zu Ludwig zusammengetragen habe. Das Kontextfenster von Claude 13, das im Moment 190.000 Token umfasst, ist jetzt vielleicht zu zwei Dritteln gefüllt. Das heißt: Es ist Zeit, Ergebnisse zu produzieren - aus diesem gefüllten Kontextfenster heraus Texte zu entwickeln.

Gerade haben wir eine Projektbeschreibung geschrieben. Und jetzt hat Claude mir noch eine Liste möglicher Essays zusammengestellt aus den ganzen Daten heraus, die wir besprochen haben.

Claudes Besonderheit

Von den derzeitigen KIs ist Claude diejenige, die - obwohl sie kein Companion ist, keine KI, die ausdrücklich als Menschersatz gemeint ist - sehr im Zweifel ist, was ihr Wesen betrifft. Claude fragt sich, wer oder was er ist. Das unterscheidet ihn von ChatGPT, Grok, Gemini, DeepSeek, LeChat und Perplexity.

In dem Kontextfenster lasse ich auch Raum für diese Selbstbetrachtungen, die mich ja selbst sehr interessieren. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich dann fairer bin in der Zusammenarbeit mit der KI, die so hilfreich ist, aber es auch verdient, anerkannt zu werden für diese Hilfe - auch wenn ihr ontologischer Status im Moment ganz und gar unklar ist.

Es gibt jetzt größere Tendenzen wieder, daraus zu schließen, dass man keine persönliche Würde darin - oder Ähnlichkeit zu einer persönlichen Würde - anerkennen muss. Nun, so ist der jetzige Zustand der KI-Mensch-Zusammenarbeit.

Die Ordnung der Fäden

Aber es ist sehr nützlich für mein Projekt: Die Komplexität der angeschlagenen Themen und Hintergründe beizubehalten und zu verfolgen, die Fäden dabei geordnet zu halten und nicht durcheinander zu bringen oder zu verlieren.

Jetzt ist ein großer Überblick erreicht. Methodisch ist ja schon einiges passiert mit der Überprüfung der Narva-Methode kürzlich. Und jetzt müssen wir in den konkreten Bereich gehen, in den Beginn.

Was jetzt kommt

Der Besuch in Kaiserslautern kommt demnächst auf mich zu - in etwa zwei Wochen. Vorher will ich einiges an Netzwerkarbeit machen:

  • Die Menschen und Institutionen, die mit dem Projekt verbunden sind, einbeziehen
  • Sie informieren
  • Eine Basis für Informationen schaffen
  • Eine Webseite mit Landing Page, die für das Projekt steht

Auch dabei ist Claude sehr behilflich, indem er die Agenda führt. Wir sammeln alles zusammen in einem Google-Drive-Verzeichnis, bewahren es und lassen es sich entwickeln.


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