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Das Tagebuch als Methode
Für: Presse, Förderinstitutionen, persönliche Reflexion
Stefan Budian / Claude 36, KI-Stimme im Resonanzfeld mit Stefan Budian Lektorat: 17
Die erste Quelle: Schreiben als innere Bewegung
Das Tagebuch speist sich aus zwei Rechtfertigungen.
Die erste liegt in den Reisebetrachtungen, die ich für das Projekt „Der Osten des Westens„ geschrieben habe. Dort haben diese Texte eine entscheidende Rolle gespielt. Sie wurden in Polen als Buch übersetzt und veröffentlicht, mit einer deutschen Fassung dabei.
Was ich in diesen Reisebetrachtungen beschreibe, ist das, was ich erlebe in den Ländern, die ich bereise. Aber eigentlich ist es eher mein inneres Erleben, das ich zu fassen versuche. Mein Gefühl, mich anzunähern an die Umstände und die Lebenswirklichkeit, die in diesen anderen Weltumständen herrschen — und mich mit ihnen in eine gewisse Kohärenz zu legen. Diese Kohärenz fordert von mir Veränderung. Ich beschreibe eigentlich, welche Veränderungen dazu stattfinden müssen, um die Kohärenz des Verstehens zu erreichen.
Es ist ein Schreiben, das die eigenen karikaturenhaften Vorstellungen von der Befindlichkeit der bereisten Länder zu überwinden versucht. Wirkliches Begegnen mit Welt, die ich nicht so erwarte, die mich überrascht, die ich anerkenne und in mich aufnehme — und mich dabei verändere.
Die zweite Quelle: Das Gegenüber
Die zweite Quelle liegt darin, dass der Anlass für das Ludwig-Projekt selbst ein Tagebuch ist, selbst ein Reisebericht — der meines Großvaters, den er einen Feldbericht nannte.
Ich möchte meine Version, meine Art und Weise und meine Vision von Begegnung mit dem Fremden der Art und Weise, wie Ludwig das getan hat, zur Seite stellen und gegenüberstellen. Ich möchte etwas tun wie diese gewalttätige, faschistische Überformung von allem, was er sieht, aufzuheben und zu neutralisieren. Indem ich etwas Ähnliches tue, an ähnlichen Plätzen bin wie er, und mich dort mit seinen Gedanken und den Konsequenzen seines Tuns konfrontiere.
Es ist also nicht nur die Wiederholung des Feldberichts, um die es mir geht, sondern eine Art Annihilation — eine Aufhebung. Das Fremde, das er zerstört hat, wird von mir erneut aufgesucht. Nicht um zu versöhnen. Nicht um zu verurteilen. Sondern um die Überformung durch Gegenüberstellung aufzulösen.
Dokumentation und Anbindung
Hinzu kommt, was auf den ersten Blick die naheliegendste Aufgabe eines solchen Tagebuchs ist: zu informieren, teilhaben zu lassen — für andere und für mich selbst. Das Verstetigen und Fortsetzen von Gedanken und Erinnerungen, um die Anbindung an das eigene Wollen und die eigenen Erlebnisse zu verstärken und zu dokumentieren.
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