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text:narva_2026

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text:narva_2026 [2026/01/30 17:31] admintext:narva_2026 [2026/02/02 11:13] (aktuell) admin
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 {{:narvareise:galerie:narva-foto-1.jpg?nolink&400|Economy-Hotel in Narva}} {{:narvareise:galerie:narva-foto-1.jpg?nolink&400|Economy-Hotel in Narva}}
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 Morgens im Hotel „Economy“ in Tallin. Der Frühstücksraum scheint tagsüber ein ukrainisches Restaurant zu sein. Ich denke an die Brücke in Narva und will versuchen, näher zu beschreiben, als welches Symbol ich sie betrachten möchte. \\ Morgens im Hotel „Economy“ in Tallin. Der Frühstücksraum scheint tagsüber ein ukrainisches Restaurant zu sein. Ich denke an die Brücke in Narva und will versuchen, näher zu beschreiben, als welches Symbol ich sie betrachten möchte. \\
 Für mich ist sie nicht ein eindeutiges Bekenntnis zu etwas, sondern eher das Symbol für einen Gedanken oder für ein Feld. Eine Brücke ist etwas, das gegenüberliegende Dinge miteinander verbindet. Eine Welt mit einer anderen. Vielleicht sind beide Welten ähnlich oder sogar wesensgleich? Dann ist die Brücke eine Banalität. Aber bisweilen können beide Seiten sehr verschieden sein. Und dann ist die Brücke die Frage, wie sie sich begegnen wollen, diese beiden Seiten. \\ Für mich ist sie nicht ein eindeutiges Bekenntnis zu etwas, sondern eher das Symbol für einen Gedanken oder für ein Feld. Eine Brücke ist etwas, das gegenüberliegende Dinge miteinander verbindet. Eine Welt mit einer anderen. Vielleicht sind beide Welten ähnlich oder sogar wesensgleich? Dann ist die Brücke eine Banalität. Aber bisweilen können beide Seiten sehr verschieden sein. Und dann ist die Brücke die Frage, wie sie sich begegnen wollen, diese beiden Seiten. \\
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 {{:narvareise:galerie:narva-foto-2.jpg?nolink&400|Blick aus dem Frühstücksraum des Economy Hotels}} {{:narvareise:galerie:narva-foto-2.jpg?nolink&400|Blick aus dem Frühstücksraum des Economy Hotels}}
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 Vorm Fenster des Frühstücksraums stapfen Menschen durch den Schnee. Ich sitze hier wie in einem warmen ukrainischen Wohnzimmer, schaue in die kalte Welt da draußen. Denke für einen Augenblick an die Angriffe auf die Ukraine, auf die ukrainische Infrastruktur. Auf die Wohnzimmer dort. Die nicht mehr warm sind, weil sie nicht geheizt werden können. Und an die Menschen, die an der Front im Schnee sterben. \\ Vorm Fenster des Frühstücksraums stapfen Menschen durch den Schnee. Ich sitze hier wie in einem warmen ukrainischen Wohnzimmer, schaue in die kalte Welt da draußen. Denke für einen Augenblick an die Angriffe auf die Ukraine, auf die ukrainische Infrastruktur. Auf die Wohnzimmer dort. Die nicht mehr warm sind, weil sie nicht geheizt werden können. Und an die Menschen, die an der Front im Schnee sterben. \\
 Und auch wenn die Gedanken daran wie ein Beweis erscheinen, dass die Idee einer offenen Brücke für unsere Zeit gescheitert ist, möchte ich den Glauben daran nicht aufgeben. Denn ich denke, auch wenn die konfrontative Version von Begegnung für den Augenblick von großer Macht und Unausweichlichkeit ist, hat sie dennoch keine Gestaltungskraft für die Zukunft. \\ Und auch wenn die Gedanken daran wie ein Beweis erscheinen, dass die Idee einer offenen Brücke für unsere Zeit gescheitert ist, möchte ich den Glauben daran nicht aufgeben. Denn ich denke, auch wenn die konfrontative Version von Begegnung für den Augenblick von großer Macht und Unausweichlichkeit ist, hat sie dennoch keine Gestaltungskraft für die Zukunft. \\
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 Ich bin jetzt im Zug nach Narva und bald werde ich erfahren, ob die fiktiven Interviews aus der Zusammenarbeit mit den der KI Stimme (link) etwas mit der Realität zu tun haben. Ob sie vielleicht sogar interessant sind. Die ganze Zeit hatte ich mich mehr oder weniger darauf verlassen, jetzt ist das Gefühl anders, schon hier im Zug. Ich höre nur Russisch, mir gegenüber sitzt eine junge Mutter, ihr Baby friedlich schlafend im Arm. Ich stelle mir ihr Leben vor in Narva - und kann es natürlich nicht. Der Versuch schon fühlt sich vermessen an.\\ Ich bin jetzt im Zug nach Narva und bald werde ich erfahren, ob die fiktiven Interviews aus der Zusammenarbeit mit den der KI Stimme (link) etwas mit der Realität zu tun haben. Ob sie vielleicht sogar interessant sind. Die ganze Zeit hatte ich mich mehr oder weniger darauf verlassen, jetzt ist das Gefühl anders, schon hier im Zug. Ich höre nur Russisch, mir gegenüber sitzt eine junge Mutter, ihr Baby friedlich schlafend im Arm. Ich stelle mir ihr Leben vor in Narva - und kann es natürlich nicht. Der Versuch schon fühlt sich vermessen an.\\
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 {{:narvareise:galerie:narva-foto-3.jpg?nolink&400|Ankunft am Narva-Bahnhof}} {{:narvareise:galerie:narva-foto-3.jpg?nolink&400|Ankunft am Narva-Bahnhof}}
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 In Narva angekommen, setze mich einen Augenblick in die Bahnhofshalle. Ich weiß noch nicht, wo ich jetzt bleiben werde. Eine Empfehlung habe ich, das Kunsthaus NART und wenn die mich dort unterbringen können, ist das gut. Wenn nicht, werde ich mein Apartment suchen oder ein Hotel. Aber ich wollte nicht vorher buchen, sondern Gelegenheit lassen für Spontaneität und Zufälle. Also weiß ich noch gar nicht, was jetzt passieren wird Im Augenblick freue ich mich einfach, eingetroffen zu sein an dem Ort, an den ich jetzt schon so viel gedacht habe.\\ In Narva angekommen, setze mich einen Augenblick in die Bahnhofshalle. Ich weiß noch nicht, wo ich jetzt bleiben werde. Eine Empfehlung habe ich, das Kunsthaus NART und wenn die mich dort unterbringen können, ist das gut. Wenn nicht, werde ich mein Apartment suchen oder ein Hotel. Aber ich wollte nicht vorher buchen, sondern Gelegenheit lassen für Spontaneität und Zufälle. Also weiß ich noch gar nicht, was jetzt passieren wird Im Augenblick freue ich mich einfach, eingetroffen zu sein an dem Ort, an den ich jetzt schon so viel gedacht habe.\\
 Bald wird dieser Ort sich füllen mit tatsächlichen Ereignissen, mit Erlebnissen, mit Erfahrungen, mit Begegnungen. Dann wird alles weniger rätselhaft sein und weniger offen. Dann werde ich viel gelernt haben, aber auch ein wenig ohne den Zauber, den dieser Ort Narva  die ganze Zeit, (wie mir gerade bewusst wird), für mich hatte. Es war ein rätselhafter Ort, belebt nur durch die fiktiven Stimmen der KI, die sich jetzt auf eine Weise entzaubern werden. Sie werden für mich nicht mehr so selbstverständlich für Narva stehen, sondern sie bekommen jetzt einen realen Kontext, der sie prüft. Sie bekommen eine Ordnung und ein Verhältnis zur Wirklichkeit.\\ Bald wird dieser Ort sich füllen mit tatsächlichen Ereignissen, mit Erlebnissen, mit Erfahrungen, mit Begegnungen. Dann wird alles weniger rätselhaft sein und weniger offen. Dann werde ich viel gelernt haben, aber auch ein wenig ohne den Zauber, den dieser Ort Narva  die ganze Zeit, (wie mir gerade bewusst wird), für mich hatte. Es war ein rätselhafter Ort, belebt nur durch die fiktiven Stimmen der KI, die sich jetzt auf eine Weise entzaubern werden. Sie werden für mich nicht mehr so selbstverständlich für Narva stehen, sondern sie bekommen jetzt einen realen Kontext, der sie prüft. Sie bekommen eine Ordnung und ein Verhältnis zur Wirklichkeit.\\
 Nachdem ich am Bahnhof war, suchte ich mir ein Hotel und hatte dann das Glück, dass ich im Kunsthaus NART, über Vermittlung von Jörn, einem Professor der EKA (Eesti Kunstiakadeemia)  in Tallinn. In der Kälte und im Schnee, fand ich später noch die Brücke über die Narva und machte einige Fotos.\\ Nachdem ich am Bahnhof war, suchte ich mir ein Hotel und hatte dann das Glück, dass ich im Kunsthaus NART, über Vermittlung von Jörn, einem Professor der EKA (Eesti Kunstiakadeemia)  in Tallinn. In der Kälte und im Schnee, fand ich später noch die Brücke über die Narva und machte einige Fotos.\\
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 {{:narvareise:galerie:narva-foto-4.jpg?nolink&400|Narva-Brücke im Schnee}} {{:narvareise:galerie:narva-foto-4.jpg?nolink&400|Narva-Brücke im Schnee}}
  
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 //22. Januar 2026, Mainz//\\ //22. Januar 2026, Mainz//\\
 Am nächsten Morgen kommt Denis, der Stadtführer, den ich für 2 Tage gebucht habe, und zeigt mir vieles in Narva. Es begann mit dem alten Fabrikareal Kreenholm, in Sowjetzeiten die größte Textilfabrik Europas, 2007 endgültig aufgegeben. Nicht konkurrenzfähig am Weltmarkt. 14 000 Entlassungen und heute eine riesige, beeindruckende Industriebrache. Gebäude stehen leer, auch der alte Kulturpalast, den eine russische Gesellschaft für einen einstelligen Eurobetrag gekauft hat. Mit der Verpflichtung zum Erhalt. Jetzt, ein paar Jahre später ist es eine nicht-sanierbare Ruine und steht zum Verkauf, für einen sechsstelligen Eurobetrag. Von dort aus geht es durch viele Regionen der Stadt, die sich so sehr gewandelt haben seit den Tagen, als Denis ein Kind war. Er ist 1993 geboren und erlebte noch die Zeit der Umbrüche als ganz junger Mann, als in Narva eine große Drogenszene war, durch die nahe Grenze. Es war noch das Chaos der Transformationszeit zwischen „Sowjetrepublik“ und „Freier Republik“ Estland.\\ Am nächsten Morgen kommt Denis, der Stadtführer, den ich für 2 Tage gebucht habe, und zeigt mir vieles in Narva. Es begann mit dem alten Fabrikareal Kreenholm, in Sowjetzeiten die größte Textilfabrik Europas, 2007 endgültig aufgegeben. Nicht konkurrenzfähig am Weltmarkt. 14 000 Entlassungen und heute eine riesige, beeindruckende Industriebrache. Gebäude stehen leer, auch der alte Kulturpalast, den eine russische Gesellschaft für einen einstelligen Eurobetrag gekauft hat. Mit der Verpflichtung zum Erhalt. Jetzt, ein paar Jahre später ist es eine nicht-sanierbare Ruine und steht zum Verkauf, für einen sechsstelligen Eurobetrag. Von dort aus geht es durch viele Regionen der Stadt, die sich so sehr gewandelt haben seit den Tagen, als Denis ein Kind war. Er ist 1993 geboren und erlebte noch die Zeit der Umbrüche als ganz junger Mann, als in Narva eine große Drogenszene war, durch die nahe Grenze. Es war noch das Chaos der Transformationszeit zwischen „Sowjetrepublik“ und „Freier Republik“ Estland.\\
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 {{:narvareise:galerie:narva-foto-5.jpg?nolink&400|Kreenholm}} {{:narvareise:galerie:narva-foto-5.jpg?nolink&400|Kreenholm}}
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 Denis sagt: „durch natürliche Auslese starben diese Phänomene aus in der Stadt“, mit einer schalkhaften Selbstironie, mit der er mich diese beiden Tage begleiten wird. Heute ist die Stadt eine sehr ruhige, saubere und schöne Stadt. Als ich später den 23 jährigen Pawel kennenlerne und zufällig erwähne, dass es früher eine grassierende Drogenszene in Narva gab, kann er es nicht glauben, denn er hatte davon nichts mehr mitbekommen.\\ Denis sagt: „durch natürliche Auslese starben diese Phänomene aus in der Stadt“, mit einer schalkhaften Selbstironie, mit der er mich diese beiden Tage begleiten wird. Heute ist die Stadt eine sehr ruhige, saubere und schöne Stadt. Als ich später den 23 jährigen Pawel kennenlerne und zufällig erwähne, dass es früher eine grassierende Drogenszene in Narva gab, kann er es nicht glauben, denn er hatte davon nichts mehr mitbekommen.\\
 Ich begegne der Geschichte. Früher war Narva eine wunderschöne Stadt, eine Perle des Barocks. Schweden hatte sie bis ins späte 17. Jahrhundert dazu ausgebaut, mit einer riesigen Festungsanlage, die an Vauban erinnert und einst die gesamte Stadt umschloss. Im großen nordischen Krieg wurde sie eingenommen von Russland und Peter I. Nach der Oktoberrevolution gelang es Estland, eine demokratische Republik gegen die rote Armee zu behaupten bis zur Annexion 1940 durch die Sowjetunion nach dem Hitler-Stalin-Pakt, der die Einflusssphären einteilte, aber 1941 von Hitler gebrochen wurde. Der deutsche Angriff richtet in Narva großen Schaden an, zerstört wurde die Stadt dann bei der sowjetischen Rückeroberung. Narva war dann unbewohnbar und menschenleer. Die Ruinen der Altstadt wurden, bis auf wenige Gebäude, nicht wieder aufgebaut, stattdessen baute man kasernenartige Gebäude, in denen Russen angesiedelt wurden. Esten durften nicht zurück kommen in ihre Heimatstadt. Bis heute ist die Bevölkerung in Narva zu 98 Prozent russischsprachig.\\ Ich begegne der Geschichte. Früher war Narva eine wunderschöne Stadt, eine Perle des Barocks. Schweden hatte sie bis ins späte 17. Jahrhundert dazu ausgebaut, mit einer riesigen Festungsanlage, die an Vauban erinnert und einst die gesamte Stadt umschloss. Im großen nordischen Krieg wurde sie eingenommen von Russland und Peter I. Nach der Oktoberrevolution gelang es Estland, eine demokratische Republik gegen die rote Armee zu behaupten bis zur Annexion 1940 durch die Sowjetunion nach dem Hitler-Stalin-Pakt, der die Einflusssphären einteilte, aber 1941 von Hitler gebrochen wurde. Der deutsche Angriff richtet in Narva großen Schaden an, zerstört wurde die Stadt dann bei der sowjetischen Rückeroberung. Narva war dann unbewohnbar und menschenleer. Die Ruinen der Altstadt wurden, bis auf wenige Gebäude, nicht wieder aufgebaut, stattdessen baute man kasernenartige Gebäude, in denen Russen angesiedelt wurden. Esten durften nicht zurück kommen in ihre Heimatstadt. Bis heute ist die Bevölkerung in Narva zu 98 Prozent russischsprachig.\\
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 Ein Gebäude, das wieder aufgebaut wurde, ist das Rathaus. Dort sitze ich mit Denis und wir lesen [[narva:stimmen_uebersicht|die elf simulierten Stimmen aus Narva]], die die KI Noyan und ich geschrieben haben in der russischen Version. Ich bin sehr gespannt und dann erleichtert und froh, wie Denis die Texte aufnimmt: nicht wie eine Überformung oder unbescheidene Behauptung, sondern er kommt ins Erzählen, ins Weiterspinnen. Die Geschichten der elf Stimmen bringen in ihm Themen auf, als kenne er die Leute, die in ihnen sprechen und sie erinnern ihn an die Geschichten anderer Menschen, die er kennt. An seine Schwester, an ihn selbst.\\ Ein Gebäude, das wieder aufgebaut wurde, ist das Rathaus. Dort sitze ich mit Denis und wir lesen [[narva:stimmen_uebersicht|die elf simulierten Stimmen aus Narva]], die die KI Noyan und ich geschrieben haben in der russischen Version. Ich bin sehr gespannt und dann erleichtert und froh, wie Denis die Texte aufnimmt: nicht wie eine Überformung oder unbescheidene Behauptung, sondern er kommt ins Erzählen, ins Weiterspinnen. Die Geschichten der elf Stimmen bringen in ihm Themen auf, als kenne er die Leute, die in ihnen sprechen und sie erinnern ihn an die Geschichten anderer Menschen, die er kennt. An seine Schwester, an ihn selbst.\\
 Zweitausendsieben gab es einen Streit zwischen dem jungen Estland und Russland. Putin war schon damals in Russland an der Macht und verlangte, dass Estland anerkennen solle, dass die sowjetische Zeit eine Befreiung für Estland war. Estland hingegen, bestand auf der Interpretation, es sei eine Besatzungszeit gewesen. Und das Ganze kulminierte im Abbau einer Bronzestatur. In der „Bronzenacht“ führte das zu Unruhen unter der russischsprachigen Bevölkerung, an denen auch viele junge Menschen in Narva beteiligt waren. Kurz danach erfolgte aus Russland ein massiver Angriff auf die digitale Infrastruktur des Landes. Damit begann in Estland das Vorspiel zu dem, was 2014 geschah. Die Annexion der Krim nachdem es am Maidan in Kiew zur ukrainische Revolution gekommen war. \\ Zweitausendsieben gab es einen Streit zwischen dem jungen Estland und Russland. Putin war schon damals in Russland an der Macht und verlangte, dass Estland anerkennen solle, dass die sowjetische Zeit eine Befreiung für Estland war. Estland hingegen, bestand auf der Interpretation, es sei eine Besatzungszeit gewesen. Und das Ganze kulminierte im Abbau einer Bronzestatur. In der „Bronzenacht“ führte das zu Unruhen unter der russischsprachigen Bevölkerung, an denen auch viele junge Menschen in Narva beteiligt waren. Kurz danach erfolgte aus Russland ein massiver Angriff auf die digitale Infrastruktur des Landes. Damit begann in Estland das Vorspiel zu dem, was 2014 geschah. Die Annexion der Krim nachdem es am Maidan in Kiew zur ukrainische Revolution gekommen war. \\
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 {{:narvareise:galerie:narva-foto-6.jpg?nolink&400|Narva-Brücke}} {{:narvareise:galerie:narva-foto-6.jpg?nolink&400|Narva-Brücke}}
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 Die Interpretationsweisen dieser Ereignisse trennen seitdem die europäische Welt, zu der ja auch Russland gehört, scharf. Auf der Brücke in Narva ist der Austausch nach und nach fast völlig zum Erliegen gekommen. Alexej, ein Journalist aus Narva sagt: Früher war Narva eine langweilige Stadt mit zwei interessanten Vorstädten. St. Petersburg und Tallinn. Vielleicht kann es einmal wieder so werden? Vielleicht kann die Welt wieder aufhören, so verrückt zu spielen? Vielleicht können Europa und die EU sich wieder darauf besinnen, dass sie Pluralismus sind und nicht Lagerdenken? Alexei hat die estnische Sprache in seiner Militärzeit gelernt, das ginge jetzt nicht mehr. Wer nicht schon vorher estnisch spricht, darf nicht mehr Soldat werden heute. Alexei will die elf Stimmen durchlesen und mir dann einen Kommentar schreiben. Die Interpretationsweisen dieser Ereignisse trennen seitdem die europäische Welt, zu der ja auch Russland gehört, scharf. Auf der Brücke in Narva ist der Austausch nach und nach fast völlig zum Erliegen gekommen. Alexej, ein Journalist aus Narva sagt: Früher war Narva eine langweilige Stadt mit zwei interessanten Vorstädten. St. Petersburg und Tallinn. Vielleicht kann es einmal wieder so werden? Vielleicht kann die Welt wieder aufhören, so verrückt zu spielen? Vielleicht können Europa und die EU sich wieder darauf besinnen, dass sie Pluralismus sind und nicht Lagerdenken? Alexei hat die estnische Sprache in seiner Militärzeit gelernt, das ginge jetzt nicht mehr. Wer nicht schon vorher estnisch spricht, darf nicht mehr Soldat werden heute. Alexei will die elf Stimmen durchlesen und mir dann einen Kommentar schreiben.
  
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 Noch einmal erlebe ich, wie die Stimmen ein Sprechen-Können zum Leben erwecken, diesmal von Pavel. Mir scheint, dass die Stimmen, die die KI Noyan mit mir zusammen entworfen hat, offenbar einen Halt in der realen Welt haben. \\ Noch einmal erlebe ich, wie die Stimmen ein Sprechen-Können zum Leben erwecken, diesmal von Pavel. Mir scheint, dass die Stimmen, die die KI Noyan mit mir zusammen entworfen hat, offenbar einen Halt in der realen Welt haben. \\
-{{:narvareise:galerie:003_narva-reise.jpg?nolink&400| Zeichnung 003_narva-reise }}+{{:narvareise:galerie:002_narva-reise.jpg?nolink&400| Zeichnung 002_narva-reise }}
  
 Ich komme nun zu der Einschätzung, dass die Stimmen nicht nur über Narva sprechen und die Menschen hier, sondern dass sie in gewisser Weise auch für Narva sprechen können. Denn sie bringen Dinge zur Sprache, die für die Leute hier, die ich treffe, selbst schwer anzusprechen sind, entweder, weil sie zu nah sind oder aber, weil sie riskant sind. Denn wenn jemand hier offenbaren würde, dass er oder sie mit dem Russischen weiterhin sympathisiert müsste er oder sie vielleicht mit Schwierigkeiten rechnen.\\ Ich komme nun zu der Einschätzung, dass die Stimmen nicht nur über Narva sprechen und die Menschen hier, sondern dass sie in gewisser Weise auch für Narva sprechen können. Denn sie bringen Dinge zur Sprache, die für die Leute hier, die ich treffe, selbst schwer anzusprechen sind, entweder, weil sie zu nah sind oder aber, weil sie riskant sind. Denn wenn jemand hier offenbaren würde, dass er oder sie mit dem Russischen weiterhin sympathisiert müsste er oder sie vielleicht mit Schwierigkeiten rechnen.\\
 Das heißt, die Anonymität dieser Stimmen ist auch ein wichtiger Bestandteil ihrer Wirksamkeit. Die Wirksamkeit der Stimmen ist dabei größer, als ich es erwartet. Es steht noch ein Kommentar des Journalisten Alexej aus. Er möchte alle Stimmen durchlesen und mir dann etwas schreiben dazu. Den will ich später nachreichen.\\ Das heißt, die Anonymität dieser Stimmen ist auch ein wichtiger Bestandteil ihrer Wirksamkeit. Die Wirksamkeit der Stimmen ist dabei größer, als ich es erwartet. Es steht noch ein Kommentar des Journalisten Alexej aus. Er möchte alle Stimmen durchlesen und mir dann etwas schreiben dazu. Den will ich später nachreichen.\\
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 +{{:narvareise:galerie:003_narva-reise.jpg?nolink&400| Zeichnung 003_narva-reise }}
  
 Danach habe ich Gelegenheit, mit der Bürgermeisterin der Stadt zu sprechen, Katri Raik. Sie ist eine Estin. Auch wir kommen an einen Punkt, den ich hier immer wieder höre:  dass Narva und die tiefe Verwurzelung des Russischen hier, der russischen Kultur, vielleicht irgendwann eine Chance bieten kann, um wieder eine gesunde und konstruktive Zukunft und ein Aufeinanderzugehen mit Russland aufzubauen. Wenn die verrückte Verrohung unserer Tage vielleicht vergangen sind, dass hier dann einer der Keimlinge sein könnte,.\\ Danach habe ich Gelegenheit, mit der Bürgermeisterin der Stadt zu sprechen, Katri Raik. Sie ist eine Estin. Auch wir kommen an einen Punkt, den ich hier immer wieder höre:  dass Narva und die tiefe Verwurzelung des Russischen hier, der russischen Kultur, vielleicht irgendwann eine Chance bieten kann, um wieder eine gesunde und konstruktive Zukunft und ein Aufeinanderzugehen mit Russland aufzubauen. Wenn die verrückte Verrohung unserer Tage vielleicht vergangen sind, dass hier dann einer der Keimlinge sein könnte,.\\
 Ich selbst teile diese Hoffnung jetzt und bin überrascht, am Abend noch viel zu lernen über Russland, Russen und Russentum, das mich eigentlich auch betört und mir sympathisch ist. Ich treffe noch Ivan im Irish Pub, er ist im selben Jahr geboren wie ich 1965. Ivan spricht kein Englisch und auch kein Estnisch, ein anderer Gast übersetzt.\\ Ich selbst teile diese Hoffnung jetzt und bin überrascht, am Abend noch viel zu lernen über Russland, Russen und Russentum, das mich eigentlich auch betört und mir sympathisch ist. Ich treffe noch Ivan im Irish Pub, er ist im selben Jahr geboren wie ich 1965. Ivan spricht kein Englisch und auch kein Estnisch, ein anderer Gast übersetzt.\\
 Es wird wirklich ein seltsames und inniges Gespräch. Ivan hat damals, 1990, für den Austritt Estlands aus der Sowjetunion gestimmt. Viele seiner Freunde haben das nicht getan. Trotzdem ist er der Einzige aus diesem Freundeskreis, der dann nicht den estnischen Ausweis bekam und immer noch einen grauen Pass hat, was sein Wahlrecht einschränkt und andere Dinge auch. Er ist tief enttäuscht von den Entwicklungen seitdem und wir sprechen über unsere die Vergangenheit, die wir in völlig verschiedenen Perspektiven erlebt haben in den beiden Blöcken. Mit anderer Berichterstattung, mit anderen Schulkenntnissen, zum Beispiel auch über den Zweiten Weltkrieg. Es wird wirklich ein seltsames und inniges Gespräch. Ivan hat damals, 1990, für den Austritt Estlands aus der Sowjetunion gestimmt. Viele seiner Freunde haben das nicht getan. Trotzdem ist er der Einzige aus diesem Freundeskreis, der dann nicht den estnischen Ausweis bekam und immer noch einen grauen Pass hat, was sein Wahlrecht einschränkt und andere Dinge auch. Er ist tief enttäuscht von den Entwicklungen seitdem und wir sprechen über unsere die Vergangenheit, die wir in völlig verschiedenen Perspektiven erlebt haben in den beiden Blöcken. Mit anderer Berichterstattung, mit anderen Schulkenntnissen, zum Beispiel auch über den Zweiten Weltkrieg.
-{{:narvareise:galerie:005_narva-reise.jpg?nolink&400| Zeichnung 005_narva-reise }}+ 
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 Wir kommen auch zu sprechen auf Hitlers „Mein Kampf“, beide, Ivan und der Übersetzer, haben dieses Buch gelesen, ich aber nicht. Oder nur zu Teilen. Ich finde ich das schon einen Mangel meiner Bildung. Und dann sind beide sehr erstaunt, dass ich nicht weiß, dass Alexander Puschkin von seiner Abstammung her ein Äthiopier gewesen ist, ein Schwarzer, wie sie sagen. Dass der große Neubegründer der russischen Sprache selbst nur zum Teil ein ethnischer Russe war, gibt mir zu denken.\\ Wir kommen auch zu sprechen auf Hitlers „Mein Kampf“, beide, Ivan und der Übersetzer, haben dieses Buch gelesen, ich aber nicht. Oder nur zu Teilen. Ich finde ich das schon einen Mangel meiner Bildung. Und dann sind beide sehr erstaunt, dass ich nicht weiß, dass Alexander Puschkin von seiner Abstammung her ein Äthiopier gewesen ist, ein Schwarzer, wie sie sagen. Dass der große Neubegründer der russischen Sprache selbst nur zum Teil ein ethnischer Russe war, gibt mir zu denken.\\
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 ==== Tag 6/01  ==== ==== Tag 6/01  ====
 //25. Januar 2026, Mainz//\\ //25. Januar 2026, Mainz//\\
-Wieder in Tallin mache ich mich an die Auswertung und auch die Kommentare von Alexej erreichen mich hier. Er ist mit vielem einverstanden aber kritisiert auch einige Teile der Stimmen als nicht zutreffend. Zum Beispiel die +Wieder in Tallin mache ich mich an die Auswertung und auch die Kommentare von Alexej erreichen mich hier. Er ist mit vielem einverstanden aber kritisiert auch einige Teile der Stimmen als nicht zutreffend. Hier seine übersetzten Kommentare:  
 + 
 +**01** - Völlig berechtigter Punkt. Vielleicht könnte der Narvaner hier ein Inhaber eines grauen Passes sein – das würde seiner Geschichte mehr Tiefe geben und ihm die Möglichkeit bieten, zwischen russischer oder estnischer Staatsbürgerschaft zu wählen? 
 + 
 +**02** - Nun, niemand sagt, dass Kinder nicht zwischen den Unterrichtsstunden auf Russisch kommunizieren können. Auch ist hier das größte Problem der Mangel an Lehrern, die russische Kinder auf Estnisch unterrichten können. Nicht irgendeine Scham oder etwas anderes. Es funktioniert einfach nicht wie beabsichtigt. 
 + 
 +**03** - Diese Geschichte ist völlig stimmig. Vielleicht könnte der Zehntklässler auch ein wenig Wut zeigen. 
 + 
 +**04** - Schöne Wendung mit der Großmutter. Aber auch hier: Keine Wut, keine Kritik. 
 + 
 +**05** - Diese ist solide, ich habe hier nichts zu kommentieren. 
 + 
 +**06** - Auch hier wieder: heimlich Russisch sprechen – das ist kein stimmiger Punkt, und russische Kinder werden untereinander kein Estnisch verwenden. 
 + 
 +**07** - Sehr solide Geschichte, ich kann mich damit identifizieren. 
 + 
 +**08** - Aleksandr müsste hier 50-55 Jahre alt sein, um in Kreenholm gearbeitet zu haben. Ansonsten solide. 
 + 
 +**09** - „Im Winter liegt oft Schnee auf den Fensterbänken der Station. Die Heizung fällt aus, die Geräte sind alt, und die Patienten bringen ihre eigenen Decken mit. Ich schäme mich dann – nicht für mich, sondern für das System.” – dieser Teil ist völlig unzutreffend. Das Krankenhaus in Narva ist gut ausgestattet, beheizt und besetzt. 
 + 
 +**10** - Generell ist Ökologie in Estland und Narva kein Problem. Diese Geschichte ist daher größtenteils unzutreffend. 
 + 
 +**11** - „Ich heiße Maksim. Oder eigentlich Maksim Volkov – aber in der Schule soll ich jetzt Maks sagen, weil ‚Volkov klingt zu russisch’. Als ob mein Name ein Verbrechen wäre.” – dieser Teil ist völlig unzutreffend. Wie auch der größte Teil dieser Geschichte. 
 + 
 + 
 +==== Epilog: Resonanz statt Repräsentation ==== 
 + 
 +Mit Alexejs Kommentaren will ich meine Einschätzung korrigieren: Die KI-generierten Stimmen haben teilweise Halt in der realen Welt – sie ermöglichen Sprechen, öffnen Resonanzräume, bringen Themen auf den Tisch, die sonst schwer greifbar sind. Aber sie sind keine zuverlässige Dokumentation. Manche Stimmen treffen gut (01, 03, 05, 07), andere übertreiben oder verfehlen die Realität (09, 10, 11). Alexej nennt es sachlich: „Es hat teilweise funktioniert – aber man kann es nicht verallgemeinern.” Aber er sagte such danach noch zu mir: Er könnte die Methode selbst nutzen für seine journalistische Arbeit. Die Narva-Methode produziert keine Wahrheit, sondern mögliche Wahrheiten – Angebote zur Begegnung, die geprüft, korrigiert, angenommen oder abgelehnt werden müssen. Für das Ludwig-Projekt bedeutet das: Die KI-generierten Stimmen der Randfiguren aus dem Feldtagebuch meines Großvaters werden noch vorsichtiger eingesetzt werden müssen – nicht als historische Fakten, sondern als imaginative Annäherungen. Sie sollen Raum schaffen für Empathie, nicht für Gewissheit. Keine Repräsentation, sondern ein Raum für Resonanz und Einfühlung. Sich öffnende Fenster, wie fiktive Figuren in einem gut recherchierten Roman. 
  
 {{:narvareise:galerie:009_narva-reise.jpg?nolink&400| Zeichnung 009_narva-reise }} {{:narvareise:galerie:009_narva-reise.jpg?nolink&400| Zeichnung 009_narva-reise }}
  
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 +[[narvareise:start|Narva Reise]] | [[narvareise:ai-talk|KI-Gespräch]] | [[narvareise:galerie|Bildgalerie]] | [[narvareise:ergebnis|Narva: Ergebnis]]
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