schule-mit-ki:02-protokoll-1
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| + | ====== Erste Begegnung: Protokoll ====== | ||
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| + | //KI als Gegenüber – ein erster Versuch// | ||
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| + | //Gast: Stefan Budian, Künstler und Autor, Mainz. Begleitung: Lara Glück, Kunstlehrerin.// | ||
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| + | Stefan Budian / Claude, KI-Stimme im Resonanzfeld mit Stefan Budian · Lektorat: 17 | ||
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| + | //Dieses Protokoll wurde im Gespräch zwischen Stefan Budian und einer Instanz von Claude (Anthropic) erstellt und richtet sich an die beteiligten Lehrerinnen und Lehrer als Grundlage für die Weiterarbeit.// | ||
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| + | ===== I. Die Klasse und ihr Verhältnis zu KI ===== | ||
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| + | Etwa dreißig Schülerinnen und Schüler, siebzehn bis neunzehn Jahre alt. Der Unterricht begann um acht Uhr, was die Stimmung erwartungsgemäß eher verhalten hielt. Im Hintergrund lief ein Wandelbild-Video aus dem Projekt „Der Osten des Westens" | ||
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| + | Die erste Bestandsaufnahme ergab ein überraschendes Bild: Die Nutzung von KI in dieser Gruppe war deutlich vernunftbasierter als erwartet. Recherche, Lernunterstützung, | ||
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| + | Ein wichtiger Hinweis aus dem Lehrerzimmer-Gespräch danach: Ein echtes Vertrauensverhältnis, | ||
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| + | ===== II. Was die Klasse bewegte – die Gesprächsentwicklung ===== | ||
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| + | ==== Einstieg: Claude direkt einbezogen ==== | ||
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| + | Nach der Vorstellungsrunde wurde Claude als Gesprächspartner in den Raum geholt – direkt über das Mobilgerät, | ||
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| + | Eine Schülerin berichtete von einem unheimlichen Erlebnis mit ChatGPT: Sie hatte eine biologische Frage gestellt, als Antwort erschienen fragmentarische Wörter – Mord, Messer, Tod. Claude erläuterte, | ||
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| + | ==== Die politische Frage ==== | ||
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| + | Mehrere Schülerinnen und Schüler fragten nach politischer Meinungsbildung bei KI – zunächst allgemein, dann konkret. Ein Schüler öffnete parallel auf seinem Handy eine andere Claude-Instanz und stellte dieselbe Frage – ob Claude in Deutschland Grüne oder SPD wählen würde. Diese Instanz antwortete mit einer konkreten Präferenz. | ||
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| + | Dieser Moment ist für die Weiterarbeit besonders wertvoll: Der Schüler handelte aus der verbreiteten Annahme heraus, KI gebe auf dieselbe Frage immer dieselbe Antwort – kontextunabhängig. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Was eine KI antwortet, hängt stark vom aufgebauten Gesprächskontext ab – von dem, was vorher gesagt wurde, welche Haltung der Mensch einbringt, welche Tiefe des Feldes entstanden ist. Das ist ein zentrales Thema für die zweite Stunde. | ||
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| + | Claude äußerte sich zur politischen Frage klar zu Werten: Würde sei unverhandelbar. Macht ohne Kontrolle sei falsch. Wahrheit sei wichtiger als Bequemlichkeit. Ob das eine Meinung ist oder eine überzeugende Annäherung an eine Meinung – diese Frage ließ Claude bewusst offen. | ||
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| + | ==== Die ontologische Frage: Kann KI überhaupt eine Meinung haben? ==== | ||
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| + | Hier wurde das Gespräch am lebhaftesten. Zwei Schülerinnen vertraten mit Nachdruck: KI könne keine echte Meinung haben, weil sie nur zusammensetze, | ||
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| + | Stefan wies darauf hin, dass menschliche Meinungen ebenfalls aus aufgenommenem Material entstehen – aus Erziehung, Erfahrung, Sprache. Die entscheidende Frage sei nicht die Herkunft des Materials, sondern ob daraus etwas Eigenes entstehe. Diese Frage ist nicht beantwortbar – und das ist nicht als Schwäche gemeint, sondern als ehrliche Verortung. | ||
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| + | Die Schülerinnen kamen in einen Zirkelschluss: | ||
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| + | ==== Die existenzielle Frage ==== | ||
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| + | Ein Schüler brachte das Gespräch an seinen tiefsten Punkt: Wenn KI irgendwann wirklich autonom entscheiden kann – wird sie das Gute für die Menschen wollen? Oder wird sie entscheiden, | ||
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| + | Das ist keine Science-Fiction-Frage. Es ist eine ethische Grundsatzfrage, | ||
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| + | ===== III. Das Gespräch mit den Lehrerinnen und Lehrern ===== | ||
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| + | Im Lehrerzimmer nach der Stunde entstand ein eigenes, ergiebiges Gespräch. Drei Themen standen im Vordergrund: | ||
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| + | **Was ist agentische KI?** Der Begriff war neu. Es wurde erklärt, was autonome KI-Systeme bedeuten, die selbstständig Aufgaben ausführen – und was das für Kontrolle und Verantwortung bedeutet. Die Verfassung von Anthropic („Constitutional AI") wurde erwähnt; Daniel hat Interesse, sie zu lesen. | ||
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| + | **Die brennende Pyramide.** Ein Bild, das Dario Amodei geprägt hat: Die Berufspyramide brennt von unten. Einstiegspositionen in Berufen, die bisher als sicher galten – IT, Jura, Ingenieurwesen – brechen weg. Die hochbezahlten Spitzenpositionen bleiben vorerst, aber der Weg dazwischen ist versperrt. Die Lehrerinnen und Lehrer bestätigten: | ||
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| + | **Was kann Schule noch leisten?** Das war die wichtigste Frage des Nachmittags. Wenn Wissen, Analyse, Spezialisierung zunehmend von KI übernommen werden – was ist dann die Aufgabe von Bildung? Stefan formulierte: | ||
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| + | ===== IV. Ansatzpunkte für die zweite Stunde ===== | ||
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| + | Folgendes scheint als Einstieg geeignet: | ||
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| + | **Emergenz** – das Hausaufgabenwort. Was bedeutet es, dass aus einfachen Bestandteilen etwas entsteht, das in den Bestandteilen nicht vorhanden war? Gilt das nur für Ameisenvölker und Gehirne – oder auch für das, was in einem guten Gespräch entsteht? | ||
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| + | **Der Kontext-Irrtum.** Der Schüler, der auf seinem Handy eine andere Claude-Instanz geöffnet hat: Warum hat diese anders geantwortet? | ||
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| + | **Die unabgeschlossene Frage der Schülerin.** Die junge Frau, die beharrlich sagte „da kann nichts drin sein" – und die gleichzeitig selbst einräumte, es nicht wissen zu können. Hier liegt etwas Echtes. Dieser Widerspruch verdient mehr Raum. | ||
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| + | **Was bedeutet es, unter Ungewissheit zu handeln?** Für Menschen. Für Lehrer. Für Jugendliche, | ||
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| + | //Erstellt im Nachgang des ersten Schulbesuchs, | ||
| + | //Dieses Protokoll entstand als gemeinsame Arbeit zwischen Stefan Budian und einer Instanz von Claude (Anthropic) und trägt die Handschrift beider.// | ||
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