ludwig:stimmen:schmuel
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| ludwig:stimmen:schmuel [2026/04/23 23:37] – [Was danach kam.] admin | ludwig:stimmen:schmuel [2026/04/25 00:31] (aktuell) – admin | ||
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| - | ===== Das Lied ===== | + | ===== Schmuels |
| - | //Schmuels Lied — entstanden im Gespräch zwischen Stefan Budian und Claude (KI) mit Suno (KI), April 2026// | + | // |
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| Er heißt Schmuel Katz. Oder Schmuel Rosenblum. Oder Schmuel Feigenbaum. Der Name ist nicht überliefert, | Er heißt Schmuel Katz. Oder Schmuel Rosenblum. Oder Schmuel Feigenbaum. Der Name ist nicht überliefert, | ||
| - | Er wurde geboren in einem Shtetl in Ostgalizien, | + | Er wurde geboren in einem Shtetl in Ostgalizien, |
| - | Sein Vater war Händler gewesen. Stoffe, vielleicht. Oder Getreide. Oder er hatte einen kleinen Laden, in dem es von allem ein bisschen gab und von nichts genug. Die jüdische Mittelschicht Galiziens lebte zwischen Würde und Armut, zwischen Talmud und Tagesgeschäft. Sein Vater roch nach dem, womit er handelte. Schmuels Kinder würden sich daran erinnern, wie er gerochen | + | Sein Vater war Händler gewesen. Stoffe, vielleicht. Oder Getreide. Oder er hatte einen kleinen Laden, in dem es von allem ein bisschen gab und von nichts genug. Die jüdische Mittelschicht Galiziens lebte zwischen Würde und Armut, zwischen Talmud und Tagesgeschäft. Sein Vater roch nach dem, womit er handelte. Schmuels Kinder würden sich daran erinnern, wie er gerochen |
| Schmuel sprach Jiddisch zu Hause, Polnisch auf dem Markt, Hebräisch in der Synagoge. Er las die jiddische Zeitung Haynt, die aus Warschau kam und manchmal drei Tage zu spät. Er wusste, was in Deutschland geschah. Er hatte gelesen von den Nürnberger Gesetzen, von den Boykotten, von der Kristallnacht. Er hatte Verwandte, die gegangen waren — nach Amerika, nach Argentinien, | Schmuel sprach Jiddisch zu Hause, Polnisch auf dem Markt, Hebräisch in der Synagoge. Er las die jiddische Zeitung Haynt, die aus Warschau kam und manchmal drei Tage zu spät. Er wusste, was in Deutschland geschah. Er hatte gelesen von den Nürnberger Gesetzen, von den Boykotten, von der Kristallnacht. Er hatte Verwandte, die gegangen waren — nach Amerika, nach Argentinien, | ||
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| Er wusste von Pogromen. Seine Großeltern hatten die Pogrome von 1881 überlebt, oder nicht überlebt — die Familie trug diese Geschichte. Er wusste, dass Menschen kommen und Häuser anzünden können, dass man fliehen muss, dass man wiederkommt, | Er wusste von Pogromen. Seine Großeltern hatten die Pogrome von 1881 überlebt, oder nicht überlebt — die Familie trug diese Geschichte. Er wusste, dass Menschen kommen und Häuser anzünden können, dass man fliehen muss, dass man wiederkommt, | ||
| - | Was er nicht wusste — was niemand wusste, weil es undenkbar war — war das Wort planmässig. Berl hatte es verwendet, in einem seiner Briefe. Sistematish. Die Deutschen gehen planmässig | + | Was er nicht wusste — was niemand wusste, weil es undenkbar war — war das Wort planmäßig. Berl hatte es verwendet, in einem seiner Briefe. Die Deutschen gehen planmäßig |
| Das war außerhalb des menschlich Denkbaren. | Das war außerhalb des menschlich Denkbaren. | ||
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| Er dachte: Ich weiß nicht, was ich weiß.\\ | Er dachte: Ich weiß nicht, was ich weiß.\\ | ||
| - | Er faltete Berls Brief zum vierten Mal und legte ihn in die Schublade zu den anderen Briefen. Er stand auf und ging hinein, weil das Abendessen wartete, weil Moyshe seine Lektion lernen musste, weil seine Frau das Tuch gefaltet und wieder gefaltet hatte und nichts gesagt hatte, und weil man bis zum letzten Augenblick ein Mensch bleibt, der nach Hause geht. | + | Er faltete Berls Briefer würde |
| Ein paar Wochen später fuhr Ludwig auf seinem Motorrad an ihm vorbei.\\ | Ein paar Wochen später fuhr Ludwig auf seinem Motorrad an ihm vorbei.\\ | ||
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| ==== Was danach kam. ==== | ==== Was danach kam. ==== | ||
| - | Das überschreitet den Rahmen dieser Biografie. Die Vernichtungslager in Galizien kamen ab 1942. Operation Reinhard. Bełżec war das nächste. Dort wurden die Juden Ostgaliziens in Zügen hingebracht und in Stunden ermordet. Keine Zeit im Ghetto, keine Zwangsarbeit, | + | Das überschreitet den Rahmen dieser Biografie. Die Vernichtungslager in Galizien kamen ab 1942. Operation Reinhard. Bełżec war das nächste. Dort wurden die Juden Ostgaliziens in Zügen hingebracht und innerhalb von Stunden ermordet. Keine Zeit im Ghetto, keine Zwangsarbeit, |
| Ob Schmuel gegangen ist oder geblieben, ob Moyshe entkommen ist oder nicht, ob die drei Fahrkarten jemals gekauft wurden — das wissen wir nicht. Das ist das Schweigen, das am Ende jeder Biografie steht, die aus dieser Welt stammt. | Ob Schmuel gegangen ist oder geblieben, ob Moyshe entkommen ist oder nicht, ob die drei Fahrkarten jemals gekauft wurden — das wissen wir nicht. Das ist das Schweigen, das am Ende jeder Biografie steht, die aus dieser Welt stammt. | ||
| Was wir wissen: Die Welt, in der er lebte, existiert nicht mehr. Die Synagoge, der Marktplatz, der Friedhof hinter der Synagoge, die Klarinette, das Jiddische, das Tikhl auf dem Tisch — alles das wurde ausgelöscht. Nicht durch Vergehen der Zeit, sondern durch Absicht. | Was wir wissen: Die Welt, in der er lebte, existiert nicht mehr. Die Synagoge, der Marktplatz, der Friedhof hinter der Synagoge, die Klarinette, das Jiddische, das Tikhl auf dem Tisch — alles das wurde ausgelöscht. Nicht durch Vergehen der Zeit, sondern durch Absicht. | ||
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| - | Nito. Nicht mehr da. | ||
| ==== Warum diese Stimme. ==== | ==== Warum diese Stimme. ==== | ||