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ludwig:odw [2026/02/25 12:50] – [Ludwig, Überfall und Überzeugung] adminludwig:odw [2026/02/25 13:23] (aktuell) – [Ludwig, Überfall und Überzeugung] admin
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 Er begann zu reisen. In Länder, die er Osteuropa genannt hatte, die aber geographisch die Mitte Europas sind. Und dort traf er die Sehnsucht nach dem, was er für selbstverständlich gehalten hatte: Sehnsucht nach „Freiheit“ nicht als Anarchie, sondern als einem Zustand, in dem der eigene Staat den Willen und die Kraft hat, den Einzelnen zu schützen – gegen Überformung, gegen Willkür, gegen die Macht derer, die ihre Interessen mit Gewalt oder Betrug durchsetzen wollen. Er begann zu reisen. In Länder, die er Osteuropa genannt hatte, die aber geographisch die Mitte Europas sind. Und dort traf er die Sehnsucht nach dem, was er für selbstverständlich gehalten hatte: Sehnsucht nach „Freiheit“ nicht als Anarchie, sondern als einem Zustand, in dem der eigene Staat den Willen und die Kraft hat, den Einzelnen zu schützen – gegen Überformung, gegen Willkür, gegen die Macht derer, die ihre Interessen mit Gewalt oder Betrug durchsetzen wollen.
  
-Diese Sehnsucht war real. Und sie war begleitet von Enttäuschung. Weil das Versprechen Europas für viele Menschen im Osten des Westens nicht eingelöst wurde – oder eingelöst wurde auf eine Weise, die wie eine neue Oligarchie aussah, nur mit anderem Gesicht. Und dann kam doert der Rückzug in das Eigene: die eigene Sprache, das eigene Volk, die eigene Geschichte. Aus erschöpfter Hoffnung heraus.+Diese Sehnsucht war real. Und sie war begleitet von Enttäuschung. Weil das Versprechen Europas für viele Menschen im Osten des Westens nicht eingelöst wurde – oder eingelöst wurde auf eine Weise, die wie eine neue Oligarchie aussah, nur mit anderem Gesicht. Dann kam dort der Rückzug in das Eigene: die eigene Sprache, das eigene Volk, die eigene Geschichte; aus erschöpfter Hoffnung heraus.
  
-Das ist das Feld, das Stefan bereist. Ohne zu urteilen, wohin es führt. Mit dem Wandelbild, das nicht antworten will, sondern Begegnung ermöglichen.+Das ist das Feld, das Stefan bereist. Ohne zu urteilen, wohin es führt. Mit dem Wandelbild, das nicht Antworten geben, sondern Begegnung ermöglichen will.
  
 ===== Ludwig, Überfall und Überzeugung ===== ===== Ludwig, Überfall und Überzeugung =====
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 Das Feldtagebuch, das Stefan von seiner Mutter 2025 erhielt, zeigt einen Menschen, der von innen her kohärent war. Ludwig schrieb gut. Er empfand. Er liebte seine Kameraden. Er war SA Sturmführer. Er wollte Menschen helfen, die orientierungslos waren; helfen, indem er ihnen zeigte, wie man aufhört, offen zu sein, und anfängt, an etwas Großem durch Unterordnung teilzuhaben. In seinem Bericht vom 24. August bis 2. Oktober 1939 – den Wochen des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen - beobachtete er genau. Er beschrieb die Landschaft und das Wetter, die brennenden Dörfer, die erschossenen Menschen, die Juden, die Leichen und seine eigenen Gedanken. Er war mit sich im Reinen, er tat was er dort tat aus Überzeugung; aus seinem Idealismus heraus. Das Feldtagebuch, das Stefan von seiner Mutter 2025 erhielt, zeigt einen Menschen, der von innen her kohärent war. Ludwig schrieb gut. Er empfand. Er liebte seine Kameraden. Er war SA Sturmführer. Er wollte Menschen helfen, die orientierungslos waren; helfen, indem er ihnen zeigte, wie man aufhört, offen zu sein, und anfängt, an etwas Großem durch Unterordnung teilzuhaben. In seinem Bericht vom 24. August bis 2. Oktober 1939 – den Wochen des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen - beobachtete er genau. Er beschrieb die Landschaft und das Wetter, die brennenden Dörfer, die erschossenen Menschen, die Juden, die Leichen und seine eigenen Gedanken. Er war mit sich im Reinen, er tat was er dort tat aus Überzeugung; aus seinem Idealismus heraus.
  
-Stefans Mutter sagte: Er erinnert mich an dich. Dein Idealismus. Deine Bereitschaft, für das einzustehen, woran du glaubst. Das ist der Ausgangspunkt des Projekts: Wie wurde ein Mensch, der „Ich“ sein könnte, zu dem, was ich nicht sein will?+Stefans Mutter sagte: Er erinnert mich an dich. Dein Idealismus. Deine Bereitschaft, für das einzustehen, woran du glaubst. Das ist sein Ausgangspunkt des Projekts: Wie wurde ein Mensch, der ich sein könnte, zu dem, was ich nicht sein will?
  
-Das Ludwig-Projekt versucht, Ludwig von innen heraus zu sehen – wie ein Schriftsteller einer Romanfigur Leben verleiht, ohne über sie zu urteilen, ohne sie zu ändern, ohne sie schärfer zu machen als sie war. Um ihn dort zu treffen, wo Ludwig war. In Kaiserslautern. In Tschechien. In Polen. In der Nähe von Auschwitz. In der heutigen Ukraine.+In seinem Ludwig-Projekt versucht Stefan, Ludwig von innen heraus zu sehen – wie ein Schriftsteller einer Romanfigur Leben verleiht, ohne über sie zu urteilen, ohne sie zu ändern, ohne sie schärfer zu machen als sie war. Um ihn dort zu treffen, wo Ludwig war. In Kaiserslautern. In Tschechien. In Polen. In der Nähe von Auschwitz. In der heutigen Ukraine.
  
-Die Übertragung in die Gegenwart ist nicht die Aufgabe des Projekts. Das ist (vielleicht) die Aufgabe derer, der dem Projekt begegnen.+Die Übertragung in die Gegenwart ist nicht die Aufgabe des Projekts. Das ist (vielleicht) die Aufgabe derer, die dem Projekt begegnen.
  
  
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-Weil Ludwig kein Beispiel für das ist, was heute geschieht. Und weil der Osten des Westens keine historische Erklärung braucht, um zu zeigen, was jetzt auf dem Spiel steht.+Ludwig“ ist kein mahnendes Beispiel für das, was heute in unserer Welt geschieht. Und „Der Osten des Westens“ braucht keine historische Erklärung, um zu zeigen, was jetzt auf dem Spiel steht.
  
 Wenn Ludwig zum Spiegel der Gegenwart wird – wenn er zur Warnung instrumentalisiert wird –, verliert er das, was ihn wertvoll macht: seine Innerlichkeit, seine Kohärenz, sein Menschsein. Er wird zur Lektion. Und Lektionen schließen Begegnung aus, genauso wie Propaganda es tut. Wenn Ludwig zum Spiegel der Gegenwart wird – wenn er zur Warnung instrumentalisiert wird –, verliert er das, was ihn wertvoll macht: seine Innerlichkeit, seine Kohärenz, sein Menschsein. Er wird zur Lektion. Und Lektionen schließen Begegnung aus, genauso wie Propaganda es tut.
  
-Wenn „Der Osten des Westens“ zum historischen Befund wird – wenn er erklärt, wie damals zu heute führte –, verliert er seine Offenheit. Er nimmt eine Richtung an. Und das Wandelbild, das keine Richtung trägt, hört auf, das zu sein, was es ist und wird zur Illustration.+Wenn „Der Osten des Westens“ zum historischen Befund wird – wenn er erklärt, wie damals zu heute führte –, verliert er seine Offenheit. Er nimmt eine Richtung an. Und das Wandelbild, das keine Richtung trägt wird zur Illustration.
  
-Beide Projekte leben von derselben Grundhaltung: nicht zu wissen, bevor man begegnet. Das Bild entstehen lassen, bevor es seinen Namen hat. Den Menschen handeln lassenbevor man urteilt.+Beide Projekte leben von derselben Grundhaltung: nicht zu wissen, bevor man begegnet. Ein Erkennen, das sich ereignet, bevor es einen Namen hat. Diese Haltung ist esdie sie eigentlich verbindet.
  
-Diese Haltung ist es, die sie verbindet. Nicht die Themen, nicht die Geschichte, nicht die Geographie. Sondern die Weigerung, das Ergebnis vorauszunehmen. 
  
 +===== Und darin berühren sie sich =====
  
-===== Und doch berühren sie sich ===== 
  
 +Wer dem „Osten des Westens“ begegnet und dann „Ludwig, Überfall und Überzeugung“, wird vielleicht etwas spüren – eine Verbindung zwischen der Sehnsucht nach Freiheit, die er dort angetroffen hat, und dem Weg, der einmal in die entgegengesetzte Richtung führte.\\
 +Wer „Ludwig“ begegnet und dann dem „Osten des Westens“, wird die Fragen, die er mitbringt, vielleicht anders stellen.
  
-Wer den „Osten des Westens“ bereist und dann „Ludwig, Überfall und Überzeugung“ begegnet, wird vielleicht etwas spüren – eine Verbindung zwischen der Sehnsucht nach Freiheit, die er dort angetroffen hat, und dem Weg, der einmal in die entgegengesetzte Richtung führte. Wer „Ludwig“ begegnet und dann in den „Osten des Westens“ reist, wird die Fragen, die er mitbringt, anders tragen. +Aber die Antworten, die fühlbar werden, wenn man beide zusammendenkt, gehören den Betrachtenden. Nicht den Projekten.
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-Die Antworten, die fühlbar werden, wenn man beide zusammendenkt, gehören dem, der denkt. Nicht den Projekten.+