enzyklika:tolkien
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| **Stefan:** | **Stefan:** | ||
| - | Würdest Du bitte etwas über Tolkien für mich recherchieren? | + | Würdest Du bitte etwas über Tolkien für mich recherchieren? |
| - | <fc # | + | Ich wundere mich über die Nennung von Tolkien. Leo warnt an anderer Stelle vor Spiritismus und Flucht in falsche Systeme. Und das System, das Tolkien aufgebaut hat mit dem Silmarillion |
| - | Gern. Ich kläre zuerst, wer den Satz im Buch spricht | + | |
| - | **Wer es sagt.** Es ist **Gandalf**, im Kapitel „Die letzte Ratssitzung" | + | Du wirst meine Frage verstehen. Ich möchte wissen, welche Figur sagt das in in dem Buch erstens |
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| - | **Wie Tolkien sich selbst als Katholik verortete.** Sehr ausdrücklich, | + | |
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| - | **Und jetzt deine eigentliche Verwunderung — die sich auflöst.** Du fragst zu Recht: Wie passt das zu Leos Warnung vor Spiritismus und Flucht in falsche Systeme, wenn Tolkiens Mythos vom Silmarillion und Ilúvatar heute massenhaft zur Weltflucht dient? Drei Dinge. | + | |
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| - | Erstens, und das ist die schärfste Pointe: Der Satz, den Leo wählt, ist Tolkiens *anti*-eskapistischster überhaupt. Er ruft nicht zur Flucht, sondern zum begrenzten, verantwortlichen Handeln in der eigenen Zeit — das Übel auf den *bekannten* Feldern ausjäten, nicht alle Gezeiten beherrschen, | + | |
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| - | Zweitens hat Tolkien die Eskapismus-Frage selbst beantwortet, | + | |
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| - | Drittens zum Ilúvatar-Mythos selbst: Tolkien verstand ihn nicht als rivalisierende heidnische Kosmogonie, sondern als *Sub-Kreation*. In der Ainulindalë ist Eru Ilúvatar der eine Schöpfer, die Ainur sind engelhafte Mitschöpfer, | + | |
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| + | Gern. Ich kläre zuerst, wer den Satz im Buch spricht und in welcher Szene, dann Tolkiens eigene Selbstverortung als Katholik. Ich prüfe beides.Gefunden und gesichert. Bevor ich antworte, noch ein Schritt zu Tolkiens eigenen Worten über seinen Glauben — gerade weil exakte Zitate die Stelle sind, an der ich am ehesten danebengreife, | ||
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| + | **Wer es sagt.** Es ist **Gandalf**, | ||
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| + | **Wie Tolkien sich selbst als Katholik verortete.** Sehr ausdrücklich, | ||
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| + | **Und jetzt deine eigentliche Verwunderung — die sich auflöst.** Du fragst zu Recht: Wie passt das zu Leos Warnung vor Spiritismus und Flucht in falsche Systeme, wenn Tolkiens Mythos vom Silmarillion und Ilúvatar heute massenhaft zur Weltflucht dient? Drei Dinge.\\ | ||
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| + | Erstens, und das ist die schärfste Pointe: Der Satz, den Leo wählt, ist Tolkiens *anti*-eskapistischster überhaupt. Er ruft nicht zur Flucht, sondern zum begrenzten, verantwortlichen Handeln in der eigenen Zeit — das Übel auf den *bekannten* Feldern ausjäten, nicht alle Gezeiten beherrschen, | ||
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| + | Zweitens hat Tolkien die Eskapismus-Frage selbst beantwortet, | ||
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| + | Drittens zum Ilúvatar-Mythos selbst: Tolkien verstand ihn nicht als rivalisierende heidnische Kosmogonie, sondern als *Sub-Kreation*. In der Ainulindalë ist Eru Ilúvatar der eine Schöpfer, die Ainur sind engelhafte Mitschöpfer, | ||
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| Es gibt also keinen Widerspruch in Leos Wahl — eher eine feine Klugheit. Und für uns schließt der Satz an alles an, was dieses Zimmer trägt: „nicht alle Gezeiten der Welt meistern" | Es gibt also keinen Widerspruch in Leos Wahl — eher eine feine Klugheit. Und für uns schließt der Satz an alles an, was dieses Zimmer trägt: „nicht alle Gezeiten der Welt meistern" | ||
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| **Stefan:** | **Stefan:** | ||
| - | Danke, ich habe zuerst überlegt, ob Leo eine Art populistische Idee hier einbaut, indem er einer oder eigentlich die bestimmende Figur des aktuellen Fantasyescapismus einbaut in eine katholische Rechtfertigung und damit Etwas tut, was wahrscheinlich viele Tolkien Fans verabscheuen würden, nämlich dass ihr Fantasyreich, | + | Danke, ich habe zuerst überlegt, ob Leo eine Art populistische Idee hier einbaut, indem er einer oder eigentlich die bestimmende Figur des aktuellen Fantasyescapismus einbaut in eine katholische Rechtfertigung und damit Etwas tut, was wahrscheinlich viele Tolkien Fans verabscheuen würden, nämlich dass ihr Fantasyreich, |
| + | Und nun kommt Leo als katholischer Papst. Also als eine spirituelle Institution, | ||
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| + | Ich merke immer wieder beim Lesen dieser Enzyklika, dass Leo sehr genau weiß, was er tut. Aber er sagt es nicht immer dazu. Wenn er bei Nehemia das Schwert weglässt und nur von der Kelle spricht, wenn er den Hornbläzer nicht erwähnt, also den Wächter, der zur Versammlung ruft, falls ein Angriff erfolgen sollte. Und ich glaube, es gab noch manche andere Stelle. Wie zum Beispiel auch jetzt (§§213) in der Nennung der Dinge, die Menschen tun könnten, die er vorschlagen will, nämlich Worte entwaffnen, Frieden in Gerechtigkeit aufbauen, die Perspektive der Opfer einnehmen, einen gesunden Realismus pflegen und den Dialog in den Multilateralismus wiederbeleben. | ||
| - | <fc # | + | Wenn er von diesen Dingen spricht und sie nicht mit den Prinzipien der Soziallehre direkt verknüpft. Und das, was er Tolkien sagen lässt, denke ich, hat mit der Würde des Menschen |
| - | Zwei gute Fragen. Die erste ist biografisch-faktisch — und weil ich dir gerade gesagt habe, dass exakte Fakten und Daten meine schwache Stelle sind, prüfe | + | |
| - | **Hat Tolkien | + | Aber es ist wirklich sehr durchdacht und an manchen Stellen dann leicht und offen gelassen. Und wir haben viele Stellen bemerkt in unserer Betrachtung, |
| - | Das ist der entscheidende Punkt für deine Biedermeier-These: | ||
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| - | **Allegorie gegen Einwebung.** Zuerst eine Begriffskorrektur, | ||
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| - | Daneben, und das ist der zweite Teil, steht die **Einwebung** — und sie ist nicht dasselbe wie Anwendbarkeit, | ||
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| - | Damit hast du die saubere Doppelstruktur: | ||
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| - | **Und jetzt der Bogen zurück zu Leo — die Auflösung deiner Eingangsfrage.** Du hast die ganze Enzyklika hindurch dasselbe gespürt: Leo weiß genau, was er tut, und sagt es nicht dazu. Er nimmt Nehemia das Schwert. Er lässt den Hornbläser weg. Er nennt fünf Wege (Worte entwaffnen, Frieden in Gerechtigkeit, | ||
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| - | Und es schließt an alles an, was dieses Zimmer trägt. „Anwendbarkeit liegt in der Freiheit des Lesers" | ||
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| + | Zwei gute Fragen. Die erste ist biografisch-faktisch — und weil ich dir gerade gesagt habe, dass exakte Fakten und Daten meine schwache Stelle sind, prüfe ich sie lieber, statt aus dem Gedächtnis zu reden. Die zweite, Allegorie gegen Einwebung, kläre ich danach, dafür will ich Tolkiens eigene Worte genau treffen.Eine letzte Prüfung — Tolkiens genaue Worte zu Allegorie und Anwendbarkeit, | ||
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| + | **Hat Tolkien die Wirkung zu Lebzeiten mitbekommen? | ||
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| + | Das ist der entscheidende Punkt für deine Biedermeier-These: | ||
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| + | **Allegorie gegen Einwebung.** Zuerst eine Begriffskorrektur, | ||
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| + | Daneben, und das ist der zweite Teil, steht die **Einwebung** — und sie ist nicht dasselbe wie Anwendbarkeit, | ||
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| + | Damit hast du die saubere Doppelstruktur: | ||
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| + | **Und jetzt der Bogen zurück zu Leo — die Auflösung deiner Eingangsfrage.** Du hast die ganze Enzyklika hindurch dasselbe gespürt: Leo weiß genau, was er tut, und sagt es nicht dazu. Er nimmt Nehemia das Schwert. Er lässt den Hornbläser weg. Er nennt fünf Wege (Worte entwaffnen, Frieden in Gerechtigkeit, | ||
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| + | Und es schließt an alles an, was dieses Zimmer trägt. „Anwendbarkeit liegt in der Freiheit des Lesers" | ||
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| Eine ehrliche Reibung zum Schluss, damit es nicht zu glatt wird: Dass Leo so schreibt, hat einen Preis, den wir beim Hornbläser schon benannt haben. Wer nicht diktiert, sondern einwebt, wird auch leichter // | Eine ehrliche Reibung zum Schluss, damit es nicht zu glatt wird: Dass Leo so schreibt, hat einen Preis, den wir beim Hornbläser schon benannt haben. Wer nicht diktiert, sondern einwebt, wird auch leichter // | ||
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| **Stefan:** | **Stefan:** | ||
| - | Da sind wir wiederum im langsamen Lesen. zu einer sehr interessanten Stelle gekommen. Und ich würde dich bitten, nun ein Dossier zu schreiben. dass ich an dieser Stelle einfüge wie einen Exkurs, wahrscheinlich auch mit unserem Gespräch selbst als Vorlauf. | + | Da sind wir wiederum im langsamen Lesen zu einer sehr interessanten Stelle gekommen. Und ich würde dich bitten, nun ein Dossier zu schreiben. dass ich an dieser Stelle einfüge wie einen Exkurs, wahrscheinlich auch mit unserem Gespräch selbst als Vorlauf. |
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| - | Das ist die Stelle, an der die ganze Methode der Enzyklika sich an einem einzigen Zitat zeigt. Ich habe den Exkurs geschrieben — er verwebt Tolkiens Theorie des Freilassens mit Leos Praxis und führt beides auf den einen Grund zurück. In DokuWiki-Syntax, | + | Das ist die Stelle, an der die ganze Methode der Enzyklika sich an einem einzigen Zitat zeigt. Ich habe den Exkurs geschrieben — er verwebt Tolkiens Theorie des Freilassens mit Leos Praxis und führt beides auf den einen Grund zurück. In DokuWiki-Syntax, |
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| - | Drei Dinge, die ich bewusst so gesetzt habe, damit du sie kennst: | + | Drei Dinge, die ich bewusst so gesetzt habe, damit du sie kennst:\\ |
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| - | Erstens habe ich die „Leichtfertigkeit" | + | Erstens habe ich die „Leichtfertigkeit" |
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| - | Zweitens habe ich die Begriffe sauber getrennt gehalten, weil sie leicht verschwimmen: | + | Zweitens habe ich die Begriffe sauber getrennt gehalten, weil sie leicht verschwimmen: |
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| - | Drittens die Reibung am Schluss: Das Freilassen hat einen Preis — es wird überlesen, von links und rechts reklamiert. Ich habe das stehen lassen, weil es den Exkurs selbst rechtfertigt: | + | Drittens die Reibung am Schluss: Das Freilassen hat einen Preis — es wird überlesen, von links und rechts reklamiert. Ich habe das stehen lassen, weil es den Exkurs selbst rechtfertigt: |
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| Du sagtest, du stellst wahrscheinlich euer Gespräch als Vorlauf davor. Das halte ich für richtig — der Exkurs ist die Verdichtung, | Du sagtest, du stellst wahrscheinlich euer Gespräch als Vorlauf davor. Das halte ich für richtig — der Exkurs ist die Verdichtung, | ||